Nürnberg

Meine Heimatstadt, „Nürnberg„. Hier wurde ich geboren, hier wuchs ich auf. Im Bild oben blicken wir von Süden her auf die „Nürnberger Burg„. Links im Bild die „Sebalduskirche“ (St. Sebald).

Nürnberg war einst des „Reiches Schatzkästlein“ im doppelten Sinne: Hier waren lange die „Reichskleindodien“ aufbewahrt (welche jetzt als unterschlagenes Gut in der Wiener Hofburg lagern) und Nürnberg war bis 1933 in der Tat eine wirklich schöne Stadt. Die Betonung liegt aber auf „war“.

Die brutalen Bombennächte des 2. Weltkrieges haben die Stadt fast vollständig in Schutt und Asche gelegt. Mit Ausnahme des wieder herrlich rekonstruierten Burgviertels, nordwestlich der Altstadt bis herunter zur wirklich sehenswerten Weißgerbergasse – also die Gegend, welches das große Bild oben zeigt – ist Nürnberg heute geprägt von billig-nüchterner Zweckarchitektur, wie sie nach dem Kriege entstanden ist. Die Beseitigung der Wohnungsnot hatte Vorrang vor Schönheit am Bau… leider. Und auch der Betonwahn in den 60er/70er Jahren hat das Erscheinungsbild der Stadt nicht gerade aufgehübscht.

Nürnberg dürfte inzwischen auch eine der lautesten Städte Deutschlands sein und wirkt in den meisten Stadtgebieten einfach öde. Es hat für seine Größe vergleichsweise wenige und nur relativ kleine Parkanlagen. Die Straßen sind nur sehr dürftig mit großen Bäumen ausgestattet. Ich wünschte mir manchmal, der Nürnberger Stadtrat würde sich von „Paris“ inspirieren lassen und seine Straßen konsequent mit Haussmann-Alleen beruhigen. Das würde den Lärm über der Stadt brechen und auch dem Stadtklima gut tun. Insbesondere der Altstadtring brüllt danach mit Alleebäumen verschönt zu werden.

Eine etwas schräge Beziehung hat die Stadt zu seinen ohnehin nur dünn gesäten, städtischen Brunnen:

  • Dem schönsten aller nur denkbaren Brunnen, eben der „Schöne Brunnen“ – ihm wurde inzwischen sogar das Wasser abgedreht – ein Brunnen ohne Wasser ist wie ein Wagen ohne Räder. – Schade! Noch schlimmer: Stellen Sie sich vor, Sie leben, sagen wir z.B. in Südamerika und sparen sich eine Reise zur Fußballweltmeisterschaft nach Deutschland vom Munde ab. Sie freuen sich auf die berühmten Sehenswürdigkeiten der alten Stadt und besonders auch auf den Schönen Brunnen. Sie freuten sich eigentlich auf diesen Anblick hier:Nürnberg, Schöner Brunnen
    müssen sich dann aber mit diesem grässlichen Ungetüm begnügen (für die Bildqualität aus dem Smartphone bitte ich um Nachsicht):
    2006-04-28_161550_100_0284ctWas das soll? Nun, die Stadtmütter und -väter erlaubten einem sogenannten „Künstler“ aus der Landeshauptstadt, einem gewissen Herrn „Olaf Metzel“ (den Namen muss man sich aber nicht merken), während der Weltmeisterschaft den schönen Brunnen mit 780 ausgemusterten Stühlen aus dem Berliner Olympiastadion zu „verhüllen“. Dabei überließ es der „Künstler“ freilich ganz profanen Arbeitern, sein „Kunstwerk“ zusammen zu schweißen und zu schrauben. Entsprechend zornig waren auch die Reaktionen der meisten Nürnberger. Selbstredend durfte die ausführende Gerüstbaufirma, für welche dieses ein vergleichsweise einfacher Montageauftrag war, daran ihre Werbung anbringen. Ach ja, das zum Glück flüchtige „Kunstwerk“ trug übrigens die Bezeichnung „Auf Wiedersehen“… na, bloß nicht!Ich konnte bislang nicht herausfinden, wer diesen Unfug eigentlich finanziert hat und wie viel davon in des „Künstlers“ Taschen tröpfelte. Aber wenn das aus Steuermitteln finanziert wurde, dann war das glatte und vorsätzliche Steuerverschwendung.

    Es war halt wie so oft: Wenn „Künstler“ nichts können und nicht wirklich etwas eigenes zu schaffen wissen, vergreifen sie sich schon mal an richtiger Kunst, um diese mit einer halbseidenen „Botschaft“ zu verhunzen. Und der Schöne Brunnen ist in der Tat richtig, richtig gute Kunst. – Ich gestehe: als Joseph Beuys fröne ich einem eher eingeschränkten Kunstbegriff, der da lautet, „Kunst kommt von können“. Metzel hat bei dieser „Installation“ weder Kunst noch Können gezeigt, sondern allenfalls seinen Hang zu narzisstischer Infantilität ausgelebt.

    Fremdschämen ist angesagt: Bei den Besuchern, welche die Stadt gerade zu dieser Zeit besucht hatten, entschuldige ich mich als gebürtiger Nürnberger deshalb ausdrücklich für die Verschandelung des Schönen Brunnen. Nicht immer folgen die Stadtmütter und -väter dem Willen ihrer Bürger und dem guten Geschmack. Manchmal meinen Sie, sie wären besonders modern und progressiv, wenn sie es zulassen, dass das Hässliche das Wahre, Schöne und Gute unsichtbar werden lässt. In „hässlich“ steckt übrigens Hass!

  • Der neueste und durchaus gelungene Brunnen, das „Ehekarussell„, mit seinen „Szenen einer Ehe“, im etwas übertriebenen neubarocken Stil, wurde völlig unpassend vor dem „Weißen Turm“ installiert. Die barocke Marmoreinfassung des Wasserbeckens beißt sich in grässlicher Weise mit der Backsteinbauweise des Turms. – Außerdem ist der Brunnen viel zu nahe am Turm installiert. Das Ebenmaß wurde leider nicht beachtet.
  • Schon immer ein Stiefkind der Stadt war und ist der barocke „Neptunbrunnen“ – oder besser dessen Kopie. Dieser Brunnen wurde ein wahrer Wanderbrunnen! Das Original verscherbelte die Stadt Ende des 18. Jahrhunderts, noch ehe es wie vorgesehen am Hauptmarkt installiert wurde, an den russischen Zar. Der Original-Neptunbrunnen steht inzwischen wieder im Peterhof in St. Petersburg (nachdem ihn die Nazis dort vorübergehend entwendet hatten). Endlich, 1902, wurde dann eine Kopie des – übrigens einst als Friedensbrunnen gedachten – Neptunbrunnens am geplanten Platze am Hauptmarkt installiert, aber nur kurz. Die Nazis entfernten 1934 den Brunnen von dort, installierten ihn dafür 1937 auf dem damaligen Marienplatz (heute Willi-Brandt-Platz). Dort störte er aber auch bald wieder und wurde deshalb 1962 in ein vorhandenes Betonbecken in den Stadtpark versetzt… immerhin – dort steht er seither. Als Kinder haben wir gerne darin geplanscht.
  • Stiefmütterlich behandelt die Stadt auch den „Tritonbrunnen„, den man zwischen hohen Bäumen in einer kleinen Parkanlage versteckt hat. Fragt man Nürnberger, wo sich denn der Tritonbrunnen befände, ich wette, 9 von 10 Befragten wissen es nicht. Ich selbst lief ich weiß nicht wie viele Jahre immer wieder daran vorbei, ohne dass mir der Brunnen auffiel.
  • Der „Tugendbrunnen„… ein sehr schöner Brunnen an der „Lorenzkirche„…. wirklich schön – nunja, vorausgesetzt man bekommt ihn auch mal zu sehen. Die meiste Zeit des Jahres ist der Brunnen versteckt unter einer hölzernen Schutzhaube.
  • Ansonsten hat Nürnberg nur sogenannte „Spotz- oder Spuck-Brunnen“ zu bieten, die nur wie eine Wasserleitung ein bisschen Wasser ausspucken – wenn sie nicht gerade mal wieder wasserlos herumstehen, … wie der „Gänsemännleinbrunnen“ z.B.

Dabei gibt es Plätze in Nürnberg, die plärren geradezu danach, mit richtig großen Wasserfontänen geziert zu werden:

  • der Platz vor der Lorenzkirche,
  • der Platz zwischen Jakobs- und Elisabethkirche (dort weisen konzentrische Kreise im Pflaster sogar den genauen Platz, wohin die Wasserleitung gelegt werden müsste,
  • der Platz vor dem Eingang zur Straße der Menschenrechte,
  • der hässlichste Platz in Nürnberg (der einmal einer der schönsten war) der Bahnhofsvorplatz,
  • der Verkehrsknotenpunkt „Plärrer“,
  • der Platz vor dem Staatstheater (ehem. städt. Opernhaus).

So, das musste mal raus 🙂

KOW